Architektur als 'Agent Provocateur' der Erinnerung

Roger Diener
Diener & Diener Architekten Basel

In den Arbeiten von Diener & Diener werden die Mechanismen, die dem menschlichen Erinnerungsvermögen innewohnen, angesprochen. Etwa wie bei einem Gespräch, wenn man nach einem Wort sucht, doch trotz aller Bemühungen will es einem nicht gleich in den Sinn kommen. Dieses unerwartete, klaffende Nichts hinterlässt eine Unsicherheit, bis das Wort aus dem scheinbar erstummten Zusammenhang zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder auftaucht.
Trotz der Vielfalt, welche die Projekte auszeichnet, haben die Arbeiten des Basler Büros etwas gemeinsam. Ausgehend von den theoretischen Überlegungen Aldo Rossis und Robert Venturis verbindet sich die Architektur von Diener & Diener mit den historischen Schichten des Ortes. Dabei entsteht ein zeitliches und räumliches Raster. Fernab von modischen Diskursen kommt die besondere Rolle der Erinnerung gerade in denjenigen Projekten am besten zum Ausdruck, die Erweiterungen bestehender Bauten zum Thema haben. Auch wenn diese Aufträge angesichts des begrenzten Handlungsspielraumes durchaus etwas Unvergleichliches an sich haben, stellen sie für die Basler Architekten aber keinen wesentlichen Unterschied zu anderen Arbeiten dar. Ihr symbolhafter Charakter macht hingegen einige Facetten des Ansatzes von Diener & Diener lesbar.

Roger Diener ist 1950 in Basel geboren. Er studierte an der ETH in Zürich und Lausanne u.a. bei Aldo Rossi und Luigi Snozzi. 1976 begann er seine Arbeit im Büro seines Vaters, Marcus Diener, das er seit 1980 weiterführt. 1999 bis 2015 hatte Roger Diener eine Professur an der ETH Zürich inne, wo er zusammen mit Marcel Meili, Jacques Herzog und Pierre de Meuron im Studio Basel unterrichtete und publizierte. Roger Diener bekam zahlreiche Auszeichnungen, darunter die französische Grande Médaille d’Or, den Prix Meret Oppenheim und die Heinrich Tessenow Medaille.

Video des Vortrags (HD)