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Bausysteme von Angelo Mangiarotti

Ausstellung
05. Juni bis 10. Juli 2019

Öffnungszeiten
5. Juni bis 10. Juli 2019, Montag bis Freitag 14:00 bis 18:00 Uhr (an Feiertagen und am Wochenende geschlossen)

Eintritt frei

Das Bauen mit Systemen hat angesichts der Notwendigkeit, Wohnraum in großem Umfang neu zu realisieren, in den letzten Jahren aufgrund wetterunabhängiger, vorgefertigter und weitgehend kostensicherer Produktion zunehmend an Bedeutung gewonnen.
In dieser Situation hat die Arbeit des Architekten und Designers Angelo Mangiarotti besondere Aktualität.  Er ist ein Ausnahme-Architekt in seiner Positionierung und Zielsetzung, sowie seiner ästhetischen und technischen hoch entwickelten Kompetenz. So wurde ihm vor zwanzig Jahren auf Antrag der Fakultät Architektur die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität München verliehen und sein Werk durch eine Ausstellung speziell seiner Bausysteme gewürdigt. Die Ausstellung im Oskar von Miller Forum basiert hierauf.

Die Bauten Angelo Mangiarottis bestehen zu einem großen Teil aus dem frei formbaren, weil morphologisch nicht vorgeprägtem Material Beton. Sie sind ästhetisch überzeugend in ihrer unmittelbaren architektonischen Diktion. Diese thematisiert die klassischen baulichen Komponenten (wie Stützen, Träger, Dächer, Decken und Wände) im Hinblick auf ihre jeweilige Funktion, auf ihre Herstellung als industriell produzierte Teile und als architektonisch anspruchsvolle Form.

Die Ausstellung konzentriert sich auf den Architekten Angelo Mangiarotti und stellt seine Arbeit als Pionier auf dem Gebiet der industriellen Produktion von Bausystemen aus Stahlbeton mit Blick auf die Ästhetik der Konstruktion in den Mittelpunkt. Auf zahlreichen Tafeln mit Fotos, Zeichnungen und Detailskizzen sind seine wichtigsten Projekte, sowie Informationen zum Leben und Werk dokumentiert.

Beispiele:

Kirche Mater Misericordiae, Baranzate/Mailand, (1957)
Ein Stahlbetonskelett, dessen Tragstruktur die Ausrichtung auf den Altar betont, dominiert den längsgestreckten kubischen Saalbau. Imposant ist der Blick auf die Deckenuntersicht die von Dachplattendiagonalen und Nebenträgern strukturiert wird.

Bausystem “Facep”; Lissone, Fa. Elmag (1964)
Für diesen Industriebau mit Büro- und Ausstellungsräumen sowie Produktions- und Lagerhallen entwickelte Mangiarotti sein erstes Bausystem. Das Tragwerk besteht aus drei vorgefertigten Elementen: Stützen mit Hammerkopf, T-förmige Träger und Deckenplatten mit Mittelsteg. Dieses Bausystem avancierte später zu einem erfolgreichen Produkt und wurde in über 100 Variationen eingesetzt.

Wohnhäuser in Teilvorfertigung in Monza (1972) und in Arosio/Como
Mangiarotti ging es hier vor allem um eine möglichst große Offenheit für die Wünsche der Nutzer. Das Stahlbetonskelett ermöglicht eine freie Organisation der Grundrisse. Die Fassade besteht aus vorgefertigten, austauschbaren Elementen und erlaubt eine individuell abgestimmte Anordnung. Obwohl alle Fassadenelemente bei beiden Wohnprojekten gleich sind, wurden unterschiedliche Baukörper verwirklicht.

Der Artikel „Der Systemgedanke in der Architektur“, Roland Krippner in Beton- und Stahlbetonbau 94, 1999, Heft 11 enthält weitere ausführliche Informationen zu den gezeigten Projekten.