VeranstaltungenPublic Values in Digital Europe

Public Values in Digital Europe

José van Dijck

Utrecht University

Livestream vom
05 Mai
2022

Vortrag

Thema

Die zunehmenden Schwierigkeiten der Digitalisierung sind mit einem harten Machtkampf zwischen zwei Plattformsystemen verbunden, die um die Kontrolle der Informationen kämpfen: einem chinesischen und einem amerikanischen System. Eine Handvoll amerikanischer Big-Tech-Plattformen hat sich in den westeuropäischen Gesellschaften verbreitet, hat Märkte und Arbeitsbeziehungen verändert, soziale und zivilgesellschaftliche Verhaltensweisen umgestaltet und die Demokratien beeinträchtigt. Im Mittelpunkt des Aufschwungs der Onlinemedien steht der Kampf um die Informationskontrolle: Wem gehören die Daten, die durch soziale Online-Aktivitäten entstehen? Während zwei große Plattformsysteme um die Informationskontrolle in der globalen Online-Welt kämpfen, hinkt die europäische Perspektive auf digitale Infrastrukturen hinterher.

Dieser Vortrag greift zwei Fragen auf. Erstens: Wie können wir öffentliche Werte in Plattformgesellschaften in Europa regeln? Werte wie Privatsphäre, Sicherheit, Transparenz, Gleichheit, öffentliches Vertrauen und institutionelle Souveränität sind wichtige Grundsätze, auf denen die Gestaltung von Plattformarchitekturen beruhen sollte. Demokratische Prinzipien und das Gemeinwohl stehen im Kampf um die Plattformisierung der Gesellschaften rund um den Globus auf dem Spiel.

Zweitens konzentriert sich der Vortrag auf die Frage, welche Verantwortung Unternehmen, Regierungen und Bürger beim Aufbau eines solchen nachhaltigen Plattformensystems haben. Wer ist für die Verankerung öffentlicher Werte in einer Online-Welt verantwortlich und wer kann dafür zur Rechenschaft gezogen werden? Insbesondere im europäischen Kontext können Regierungen und zivilgesellschaftliche Organisationen bei der Aushandlung öffentlicher Werte im Namen von Bürger*innen und Verbraucher*innen proaktiver sein.

Vortrag auf Englisch

José van Dijck

José van Dijck ist eine renommierte Professorin an der Universität Utrecht. Von 2015 bis 2018 war sie Präsidentin der Royal Netherlands Academy of Art and Sciences. Sie war Gastprofessorin am MIT, an der University of Toronto, Stockholm University und University of Technology in Sydney. Außerdem erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Lund University (Schweden). 2022 wurde ihr der Spinoza Preis verliehen – die höchste akademische Auszeichnung in den Niederlanden.

José van Dijck’s akademische Forschungsbereiche sind Medienwissenschaft und digitale Gesellschaft. Ihre Arbeit umfasst ein breites Spektrum an Themen in den Bereichen Medientheorie, Medien und Kommunikationstechnologien, Social Media und digitale Medienkultur. Sie ist Co-Autorin und Co-Herausgeberin von zehn Büchern und über hundert Artikeln und Buchkapiteln. Ihr Buch The Culture of Connectivity. A Critical History of Social Media (Oxford UP, 2013) wurde auch auf Spanisch, Chinesisch und Farsi veröffentlicht. Zuletzt erschien The Platform Society. Public values in a connective world – zusammen mit Thomas Poell und Martijn de Waal (Oxford University Press, 2018).