VeranstaltungenBausysteme von Angelo Mangiarotti

Bausysteme von Angelo Mangiarotti

Thomas Herzog

Oskar von Miller Forum

Ausstellung vom
05 Juni
2019

Vortrag

Thema

Dem Architekten und Designer Angelo Mangiarotti (1921–2012), der als Pionier auf dem Gebiet der industriellen Produktion von Bausystemen aus Stahlbeton gilt, widmete das Oskar von Miller Forum eine Ausstellung vom 5. Juni bis 10. Juli 2019.

Die Arbeit dieses Ausnahmearchitekten besitzt besondere Aktualität, da das Bauen mit Systemen angesichts der Notwendigkeit, Wohnraum in großem Umfang neu zu realisieren, in den letzten Jahren aufgrund wetter­unabhängiger, vorgefertigter und weitgehend kostensicherer Produktion zunehmend an Bedeutung gewonnen hat.
Bereits vor 20 Jahren erhielt Angelo Mangiarotti auf Antrag der Fakultät Architektur die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität München und sein Werk wurde durch eine Ausstellung seiner Bau­systeme gewürdigt. Die Ausstellung im Oskar von Miller Forum basierte hierauf.
Die Bauten Angelo Mangiarottis bestehen zu einem großen Teil aus dem frei formbaren, weil morphologisch nicht vorgeprägten Material Beton. Sie sind ästhetisch überzeugend in ihrer unmittelbaren architektonischen Diktion. Diese thematisiert die klassischen baulichen Komponenten (wie Stützen, Träger, Dächer, Decken und Wände) im Hinblick auf ihre jewei­lige Funktion, auf ihre Herstellung als industriell produzierte Teile und als architektonisch anspruchsvolle Form. 

Nicht nur bauliche Aufgaben wurden von ihm technisch und funktional überzeugend gelöst, sondern er zeigte sein großes künstlerisches Po­tenzial als Architekt, indem er den baulichen Systemen eine hohe skulpturale Qualität gab. Seine Philosophie, dass eine Trennung zwischen dem Architekten als Künstler und dem Bauingenieur als Techniker für die Zukunft des Bauens nicht zielführend ist, lässt sich an vielen der gezeigten Projekte ablesen. Angelo Mangiarotti forderte generell den technisch kompetenten Architekten, der sich mit den Materialeigenschaften aus­einandersetzt und die Möglichkeiten der Bautechnologie souverän einsetzt.
Mangiarotti baute vor allem in den 60er- und 70er-Jahren in Norditalien. Dabei entstanden Fabrikhallen, Wohnhäuser, Bürogebäude, eine ­Kirche und Messepavillons, die heute noch als wegweisende Beispiele für komplexe Systeme von großer gestalterischer Kraft in der Architektur gelten.

Abstract

Zur Eröffnung der Ausstellung am 4. Juni um 18:30 Uhr gab der Architekt Prof. Thomas Herzog, EoE der Technischen Universität München, eine Einführung über „Die Bausysteme von Angelo Mangiarotti – Meister der Technologie und Ästhetik des Bauens“. Dabei ging er vor allem auf die ­Be­deutung von Mangiarottis Ingenieurkompetenz für die Architektur von heute ein.

Laut Thomas Herzog kreierte Angelo Mangiarotti Architektur von hohem künstlerischem Rang im Zusammenhang mit Funktionen, bei denen ­nicht vorrangig Repräsentation oder Symbolik von Institutionen als merkantiles Branding die Gestaltung beeinflusst. Er entwickelte begeisternd schöne Bausysteme beispielsweise für Produktionshallen, die heute meist mit der Begründung, es handele sich nur um „Zweckbauten“, ohne jeden Anspruch an gestalterische Qualität zustande kommen – immer­hin Orte, die den beruflichen Alltag von Millionen Menschen ein Leben lang maßgeblich bestimmen.

Die Ausstellung im Oskar von Miller Forum beinhaltete zahlreiche Tafeln mit Fotos, Zeichnungen und Detailskizzen der Projekte sowie Informationen zum Leben und Werk von Angelo Mangiarotti.

Bildergalerie

Foto der Ausstellung von Angelo Mangiarotti
Foto der Ausstellung von Angelo Mangiarotti
Foto der Ausstellung von Angelo Mangiarotti
Fotos: © Astrid Eckert
Meine Tätigkeit in der Architektur kann in die Reihe von ­Werken eingereiht werden, in welchen die Technik der Serienfertigung einen bedeutenden theoretischen Stellenwert einnimmt.
Angelo Mangiarotti Aus dem Katalog „Bausysteme von Angelo Mangiarotti“