VeranstaltungenIngenieur Bau Kunst – das Olympiadach in München und danach

Ingenieur Bau Kunst – das Olympiadach in München und danach

Jörg Schlaich

sbp schlaich bergermann partner, Stuttgart Berlin New York

Vortrag vom
11 Februar
2010
Foto von Jörg Schlaich

Vortrag

Thema

Ein inzwischen legendäres Tüllmodell vermittelte im Wettbewerb für die Olympischen Spiele 1972 in München die Vision von Leichtigkeit, Freiheit und Offenheit. Jörg Schlaich entwarf damals die leichten, durchsichtigen und offenen Dächer, die die Sportstätten der 20. Olympischen Spiele heute überspannen. Nach außen sind diese Netze abgespannt und von außen stehenden Masten abgehängt. Von innen werden die Netze durch Luftstützen getragen. Ein starkes, über das Spielfeld verlaufendes Randseil bewirkt eine freie Auskragung über der Tribüne. Die von freier Flächengeometrie geprägte Schwimmhalle ist mit einer Seilschlaufe von einem geneigten Mast abgehängt.

Am 11. November 2010 fand mit Jörg Schlaich der erste Impulsvortrag am Oskar von Miller Forum statt: „Ingenieur Bau Kunst – das Olympiadach in München ­und danach“. Der Bauingenieur Prof. Dr.-Ing. Drs. h.c. Jörg Schlaich führt mit seinem Partner Rudolf Bergermann eines der innovativsten Ingenieurbüros in Deutschland. Ihr Werk ist der Baukultur verpflichtet und verbindet drei Tätigkeitsschwerpunkte miteinander: Konstruktion und Kunst, Konstruktion und Gesellschaft, Konstruktion und Ökologie.
Aus diesen Parametern entstanden künstlerische Baukonstruktionen, deren Effi
zienz und Schönheit herausragend sind. Vor allem bei der solaren Stromerzeugung tragen die Ingenieure mit ihrem Büro zur technologisch innovativen Aufbereitung vorhandener Ressourcen bei.

Jörg Schlaichs Werk ist geprägt von Visionen und dem Streben nach deren Umsetzung. Er hat nicht allein die Herausforderung in den Disziplinen des Ingenieurwesens gesucht; seine Arbeit zeigt sein tiefes Bewusstsein für soziale, kulturelle, ökonomische und ökologische Probleme der Menschheit.
Menschen zu beteiligen, zu verbinden und ihre Problemstellungen offen und unkonventionell anzugehen, ist eine besondere Stärke von Jörg Schlaich. Damit konnte er immer wieder Meilensteine der Ingenieurbaukunst setzen, die durch ihre Brisanz und ihre Nähe zu Menschen verblüffen und diese emotional bewegen.
Seine Brücke, an der die einheimische Bevölkerung in Kalkutta 23 Jahre baute, oder das von ihm mitgestaltete Zeltdach für die Olympiade 1972 in München mit seiner „Anti-Architektur“ als Reaktion auf die Olympiabauten 1936 zeigen sein Engagement für allgemeine gesellschaftliche Fragestellungen.

Jörg Schlaich übergab sein vielfach preisgekröntes Werk der Berliner Akademie der Künste. Aus diesem Fundus wurde mit Sorgfalt und Liebe eine Ausstellung entwickelt. Große Teile dieser Ausstellung waren nach Jörg Schlaichs Vortrag im Foyer des Oskar von Miller Forums zu besichtigen. Die Ausstellung dauerte vom 11. bis zum 26. November 2010.

Jörg Schlaich

Jörg Schlaich ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen Bauingenieure im konstruktiven Ingenieurbau. Gemeinsam mit seinem Partner Rudolf Bergermann hat er in über 35 Jahren mit herausragenden Werken einen substanziellen Beitrag zur Ingenieurbaukunst geleistet.